Demenz in Pandemiezeiten | 1. Netzwerktreffen 2021

„Trotz Maske und Abstand in gute Beziehung gehen“
Erfahrungen eines Humortherapeuten und Demenzberaters

Eine Maske kann bei der Kommunikation auch behilflich sein: Das war eines der Erkenntnisse des Online-Treffens beim Netzwerk Demenz Rheingau-Taunus.
Die Frage, wie es möglich ist, trotz Abstand und Maske zu einem demenziell erkrankten Menschen eine gute Beziehung aufzubauen, stand im Mittelpunkt des Online-Treffens des Netzwerk Demenz Rheingau-Taunus. Beate Heiler-Thomas, die Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Rheingau-Taunus, hatte den Humortherapeuten und Demenzberater Markus Proske eingeladen, der seine Erfahrungen aus seinen Besuchen in stationären Einrichtungen mit den 28 Teilnehmern teilte und trotz aller Widrigkeiten vor Ort von positiven Effekten zu berichten wusste.

„Wir können für Andere Medizin sein“, betonte Proske, wie wichtig es für Menschen mit Demenz sei, mit jemandem in Resonanz gehen zu können, der ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen vermittele, der Ruhe, Gelassenheit und Fürsorge ausstrahle. Für einen Menschen, dessen kognitive Leistung und Beurteilungsfähigkeit eingeschränkt ist, der auf nonverbale Signale angewiesen ist, sei die positive Grundhaltung des Gegenübers von immenser Bedeutung. Auf der anderen Seite würden auch Stress und Angst von Betreuern und Pflegern beim alten Menschen, der auch mühsam unterdrückte Hektik und Gereiztheit spürt, voll durchschlagen. Nicht nur Virus-Infektionen sind hoch ansteckend – auch Gefühle. Und je weiter die Krankheit fortgeschritten ist, desto weniger gelingt es Demenzkranken, die Stimmungen und Handlungen anderer Personen wahrzunehmen, ohne diese zu imitieren und zu spiegeln.

„Dabei haben wir so viele Möglichkeiten Positives zu transportieren“, wies Proske auf hausgemachte Stress-Situationen hin, die er immer wieder erlebt, und die leicht zu entspannen wären: beispielsweise durch Blickkontakt, langsame und einfache Sprache, mehr Ruhe statt zu viele und laute Geräusche, mehr Respekt und Wertschätzung statt Distanzlosigkeit und reine Funktionspflege. Manchmal fehle es schlichtweg an grundlegenden Benimm-Regeln.

Proske hat im Zuge der Lockerungen in Corona-Zeiten bei seinen Besuchen in den Heimen viele positive Erlebnisse, auch weil er alles thematisiert und humorvoll erklärt: „Ich schau heute aus wie ein Engelchen“ zur Schutzkleidung; „Waschen, waschen ganz geschwind – bis die Hände sauber sind“ zur Hygienevorschrift. Zu Beginn des Besuchs mit dem notwendigen Abstand kurz die Maske abzunehmen, das sorgt ebenfalls für einen guten Start. Und manchmal erleichtere die Maske, die für eine tiefere Stimme sorge, die Verständigung sogar, weil Hochbetagte dunkle Tonlagen besser hören als hohe.

Angebote werden ganz unterschiedlich beurteilt

Trotz Maske und Abstand ist gute Beziehungsarbeit also möglich – wenn man darf. Im anschließenden Austausch wurde deutlich, dass die Betreuungsangebote für demenziell Erkrankte, die nicht im Heim leben, von Entscheidungsträgern in der Region sehr unterschiedlich beurteilt werden. Von der Hufad (Häusliche Unterstützung für Alzheimer- und Demenzpatienten) aus Oestrich-Winkel war zu hören, dass es noch kein Okay für den Start der Demenzbetreuung gebe, obwohl die Beteiligten geimpft seien und man sich schriftlich von Angehörigen und Ehrenamtlichen abgesichert habe. Hingegen sei das Angebot bei „Freiräume“ im Main-Taunus wieder angelaufen. Die Belastung der Angehörigen sei enorm, wurde von Beratungsgesprächen berichtet. Die Trägheit und Zögerlichkeit der Verantwortlichen sei kaum nachzuvollziehen.