Gastvorträge des KDA | 4. Netzwerktreffen 2021

Trotz Pandemie-Bedingungen war die Alzheimer Gesellschaft Rheingau-Taunus in diesem Jahr wieder sehr aktiv: ein Fachtag, eine Weiterbildung, vier Netzwerk-Treffen, zahlreiche telefonische Beratungen, und wann immer möglich wurden die Gesprächskreise für Angehörige von Menschen mit Demenz angeboten. Wie wichtig genau diese Form der Selbsthilfe ist, das wurde beim letzten Netzwerk-Treffen in diesem Jahr deutlich.

Marco Kunert, Sozialwissenschaftler und Mitarbeiter im Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), stellte das Ergebnis einer wissenschaftlichen Arbeit vor, die sich damit befasst, wie Selbsthilfegruppen pflegende Angehörige im Alltag entlasten können. „Der größte Pflegedienst in Deutschland sind die Angehörigen“, brachte er auf den Punkt, wie wichtig deren Unterstützung ist. Von 4,1 Millionen pflegebedürftigen Menschen werden 3,3 Millionen zu Hause versorgt, mehr als die Hälfte allein durch Angehörige. Die Zahlen steigen. Die Belastungen sind enorm.

Von unschätzbarem Wert kann hier eine Selbsthilfegruppe sein, wo ein Erfahrungsaustausch mit Menschen in vergleichbaren Lebenssituationen stattfindet, wo man neues Wissen erwirbt, aber auch Verständnis und authentisches Mitgefühl erfährt, wo Gemeinschaft gelebt und eine Auszeit vom Pflegealltag möglich wird. Die 1. Vorsitzende Beate Heiler-Thomas freut sich über den Rückenwind: „Wir sind aufgrund unserer praktischen Arbeit in den von uns moderierten Selbsthilfegruppen für Angehörige von deren Wirkkraft überzeugt. Schön, dass die gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse das unterstreichen.“

Im besten Fall sollte eine Selbsthilfegruppe Teil eines bunten Mix aus Unterstützungs-Angeboten in einem lokalen Netzwerk sein, aus dem sich der Angehörige das Passende für seine aktuelle Situation wählen kann. In diesem Sinne stellte Sarah Hampel die Projektstrukturen des Kuratoriums Deutsche Altershilfe vor, wobei der Schwerpunkt auf Versorgungs- und Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und pflegende Angehörige am Beispiel Nordrhein-Westfalen lag. Ein Blick über den Tellerrand also. Mit dem Ziel, dass die Betroffenen gut vernetzte, transparente und bedarfsgerechte Unterstützung, Begleitung und Förderung in ihrem Wohnumfeld finden können, ist es in Nordrhein-Westfalen gelungen, ein flächendeckendes Netz von 53 Kontaktbüros Pflegeselbsthilfe (KoPS) aufzubauen.

Schließlich geht es nicht nur darum, Unterstützungsangebote anzubieten, sie sollten einander ergänzen und müssen die Menschen, die oft an ihrer Belastungsgrenze sind, auch erreichen. Um möglichst vielen Akteuren in der „Versorgungslandschaft Rheingau-Taunus“ die Möglichkeit zu verschaffen sich vorzustellen, soll im kommenden Jahr der dann vom Verein durchgeführte 6. Fachtag Demenz als „Markt der Möglichkeiten“ stattfinden. Die Gesprächskreise, das Herzstück des Vereins, starten wieder im Februar. Für die telefonische Beratung steht der Verein auch weiterhin zur Verfügung.